SWINGER CLUB
Presse Carmina Burana

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SWINGER CLUB plays CARMINA BURANA Presse Soest 15.07.07

Sensationelles Konzert im Soester Sommer: "Carmina Burana" im Jazzgewand

Für machen Freund der ach so ernsthaften "E-Musik" mag es vielleicht als Sakrileg gelten, sich als Jazzer an diesem Stoff zu vergreifen - zumal die Band den zweideutigen Namen "Swinger Club" trägt und bislang eher durch drollige Jazz-Versionen bekannter Pophits von AC/DC bis BAP glänzte. Zur Feier des zehnten Geburtstags des Bürgerzentrums vor vier Jahren gab es davon bereits Kostproben. Andererseits sind sie die ersten, die von Schott, dem Verleger klassischer und zeitgenössischer Musik, der die Rechte innehat, die Erlaubnis zu einer Bearbeitung erhielten. Und zum Glück treten die Musiker in nahezu "klassischer" Triobesetzung an - Bass, Schlagzeug und statt des Klaviers mit zwei Orgeln - und nicht mit Orffschen Instrumenten.

Was das Trio an diesem Abend präsentierte, ging weit über die netten Popsongs ihrer bisherigen CDs hinaus: Dank der beiden Orgeln - keine schwer transportable Hammond, aber eine klanglich vergleichbare Korg inklusive eines mitunter zickenden Generators mit rotierenden Tonrädern und eine Phillicorda - blieb ein sakraler Charakter erhalten, doch bekamen die Stücke durch Andreas Hirschmanns exstatisches Spiel einen psychedelischen Touch. Zum Sound der Hammond ging in den Siebzigern schließlich so mancher Joint auf Lunge, und aus dieser Zeit stammt dazu passend auch ein Spielzeug, das Hirschmann zwischendurch einmal einsetzt, ein "Stylophon", eine Art Westentaschenkeyboard, eine Spielerei der Siebziger, auf dem Hirschmann jedoch kongeniale Glissandi-Klangwelten erzeugt.

Am Anfang stand natürlich, wie im Original, der berühmte Chorsatz "O Fortuna", der in den Neunzigern zur Umsatzsteigerung von Autos, Pfandbriefen und Müsli-Riegeln in der Fernsehwerbung eine zweifelhafte Renaissance feierte. Danach jedoch löste sich der ursprüngliche Zusammenhang auf. Lediglich zehn Stücke hatte der "Swinger Club" übernommen, aus dem Rahmen, dem ersten und dem dritten Teil - der zweite fiel komplett unter den Tisch. Doch diese zehn Stücke erreichten durch die Soli der drei Musiker jeweils eine Länge, an die Orff wohl im Traum nicht dachte. Umso stärker strebten die Titel ihren Höhepunkten entgegen, wie der Soundtrack zu einem Drogenrausch. Dem eines Intellektuellen, wohlgemerkt. Bei "Stetit puella" spielte Hirschmann in den höheren Lagen, Orff wurde zur Sphärenmusik.

Als Impulsgeber für ihre Bearbeitungen hielten sogar die Nazis her: "Nach der Uraufführung bezeichneten sie Carmina Burana als bajuwarische Niggermusik", erzählte Bassist Jan van Polheim zum Stück "Tanz", in dem sich immer ein ungerader Takt mit einem geraden abwechselte, was in der Summe immer ungerade Takte ergab. "Dazu kann vielleicht ein Bulgare tanzen, aber kein gemeiner Germane." Entsprechend afrikanisch fiel bei "Tanz" Martell Beigangs Spiel am Schlagzeug aus, das ab und an durch kurze Schunkelphasen unterbrochen wurde.

Das Konzert dauerte nur 75 Minuten. Als Zugabe nur die Reprise des letzten Stückes. Einen ihrer Pop-Jazz-Crossover-Songs dranzuhängen, hätte nicht gepasst. Doch das Konzert war so sensationell, dass es eine einzige lange Zugabe war. Es war erst der zweite Auftritt mit diesem Programm. Eine CD gibt es noch nicht. Sollte es aber bald. Drummer Beigang im Anschluss augenzwinkernd: "Und im kommenden Jahr wollen wir das dann ebenfalls open air in Soest aufführen."

Soester Anzeiger

 

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Carmina Burana go Jazz

Swinger Club ließ Orffs Welthit in neuer Version hören

15.07.2007 • Nein, es war (noch) nicht die schon lange angekündigte Aufführung der "Carmina Burana". Dieses Großereignis erwartet die Bördestadt erst Ende August. Was am Samstagabend beim Soester Sommer im "Alten Schlachthof" zu hören war, hieß auch "Carmina Burana" und klang ähnlich. Aber es war nicht mittelalterlich-derb wie bei Carl Orff, sondern modern-funkig, nicht instrumental aufwendig, sondern fast kammermusikalisch, aber kaum weniger fesselnd und begeisternd als das Original.

Die weltberühmte "Szenische Kantate", die Orff 1937, inspiriert von Mittelalter- Handschriften aus dem Kloster Benediktbeuren, schrieb, hatte der Swinger Club aus Köln in eingängigen Jazz umgesetzt.

Organist Andreas Hirschmann, Bassist Jan von Polheim und Schlagzeuger Martell Beigang sind zwar Spezialisten für "Welthits als Jazz". Aber die Carmina Burana führte das Trio in Soest erst zum zweiten Mal auf, wie Arp Hinrichs vom "Schlachthof" bei seiner Begrüßung hervorhob.

Die neue Variante hielt sich schon sehr nah ans Original; die Melodie bahnte sich immer wieder ihren Weg durch den farbigen Klangreichtum. Gleichzeitig aber schufen die Jazzer neue, vorher nicht gehörte Stimmungen.

Wo beispielsweise Orff hart und holzschnittartig wirkt, ließen die drei vom Club psychedelisch Klänge schweben. Dem Primitiv-Stil des Originals setzten sie satten Orgelklang gegenüber. Den Höhepunkt aber erreichte die Swinger-Kunst im "Tanz". Die Nazis hatten dieses reine Instrumentalstück als "bajuwarische Niggermusik" diffamiert. Die drei Kölner Musiker machten daraus eine hinreißende afro-karibische Rhythmusorgie.

Die originalen "Carmina" werden gesungen, darum gelten sie als Kantate. Die Kölner jedoch beschränkten sich auf vokale Einwürfe und einen Sprechgesang beim "Veni, veni, venias".

Das Publikum war nach dem knackigen, leider nur einstündigen Konzert begeistert. Auch wer Orffs Welthit nie gehört hatte - was unwahrscheinlich ist, denn die "Carmina" gehören zu den meistaufgeführten Werken - konnte sich fesseln lassen.Begeistert waren auch die Sänger des Musikverein-Chors, die sich diese "Carmina"-Variante nicht hatten entgehen lassen: "Das macht Appetit auf unsere Aufführung, aufs Original."

Stadtanzeiger Soest





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